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    Im gesamten Verbreitungsgebiet sind Flüchtlinge mit ihren Familien untergebracht. Doch auf welches Schulangebot stoßen sie?

    Biberach, 19.09.2015 (sz, ©Schwäbische Zeitung)

    Im gesamten Verbreitungsgebiet sind Flüchtlinge mit ihren Familien untergebracht. Doch auf welches Schulangebot stoßen sie? Welche Form des Unterrichts erwartet sie? Und wie sieht es mit der Besetzung der Lehrerstellen aus? Die „Schwäbische Zeitung“ hat nachgefragt.

    Tuttlingen

    Im Kreis Tuttlingen gibt es nach Angaben des Schulamts Konstanz zehn Vorbereitungsklassen in den Grundschulen, in denen Flüchtlingskinder zusammen Deutsch lernen sollen. Drei sind erst dieses Schuljahr eingerichtet worden. Ältere Schüler bis 15 Jahre kommen in fünf Klassen in drei Werkrealschulen und einer Gemeinschaftsschule in Tuttlingen, Trossingen, Spaichingen und Wehingen unter. Das Problem: Es fehlen noch Lehrer. Die etablierten Kollegen, heißt es, reißen sich nicht um diese Klassen. Zusätzlich zu den Klassen an den allgemeinbildenden Schulen hat das Regierungspräsidium erst kürzlich die Zahl der Vorbereitungsklassen an den Berufsschulen von fünf auf sechs erhöht. 91 Schüler zwischen 15 und 18 Jahren lernen dort Deutsch. (dh)

    Leutkirch

    In der Gemeinschaftsschule Leutkirch lernen 27Kinder und Jugendliche in zwei internationalen Vorbereitungsklassen. Die Sechs- bis 16-Jährigen kommen vorrangig aus Syrien und Südost-Europa, aber auch aus Nordkorea. Je nach Alter werden sie in der Primarstufe (Klassen 1 bis 4) oder in der Sekundarstufe (Klassen 5 bis 10) unterrichtet. Wo es möglich ist, besuchen die Flüchtlingskinder aber auch den Regelunterricht. Insgesamt gibt es nach Auskunft der Gemeinschaftsschule im Schulamtsbezirk Markdorf 27 Standorte mit insgesamt 40 Vorbereitungsklassen. Zweiter Standort in Leutkirch ist die Geschwister-Scholl-Schule, die künftig eine zweite VABO-Klasse bildet. Damit werden an die 40 junge Menschen von 15 bis 21 Jahren künftig dort unterrichtet. Sie kommen aus Gambia, Kamerun, Guinea, Somalia, Eritrea, Syrien, Bosnien, Mazedonien, Polen und Litauen. (sl)

    Biberach

    Das Staatliche Schulamt in Biberach, das für die Landkreise Biberach, Alb-Donau sowie die Stadt Ulm zuständig ist, sieht sich derzeit gut aufgestellt, was die schulische Versorgung von Flüchtlingskindern angeht. Im gesamten Schulamtsbezirk gibt es 71Vorbereitungsklassen. Sie bieten, wenn sie voll belegt sind, Platz für 1700Schüler. 44dieser Klassen sind in der Primarstufe, 27 in der Sekundarstufe angesiedelt. „Der Spracherwerb hat für uns die zentrale Bedeutung bei der gesellschaftlichen Teilhabe“, sagt Wolfgang Mäder, der Leiter des Staatlichen Schulamts Biberach.

    Die 71Klassen im Schulamtsbezirk sind mit Lehrern versorgt, trotzdem rüstet sich das Schulamt Biberach für einen weiteren Bedarf. Hierbei wird auch nach Personen gesucht, die nicht über eine Lehramtsprüfung verfügen müssen, die aber beim Thema Spracherwerb qualifiziert sind. Als einziges Gymnasium im Regierungspräsidium Tübingen hat das Gymnasium in Ochsenhausen eine Vorbereitungsklasse für Flüchtlingskinder und Migranten. (gem)

    Friedrichshafen

    Die Friedrichshafener Grund- und Werkrealschule Ludwig-Dürr hat am Montag über 40 Schulkinder in ihren Internationalen Vorbereitungsklassen aufgenommen. Darunter 22Flüchtlingskinder. Neben Schulen in Markdorf und Ravensburg bietet nur die Ludwig-Dürr-Schule diese Klassen für die Primar- und Sekundarstufe an. In Immenstaad, Langenargen und Tettnang gibt es Internationale Vorbereitungsklassen, in denen die Kinder ohne Sprachkenntnisse aufgenommen werden, nur für den Grundschulbereich eingerichtet. Sobald schulpflichtige Kinder mit ihren Familien als Flüchtlinge in Friedrichshafen ankommen, meldet das Deutsche Rote Kreuz diese an die Ludwig-Dürr-Schule. Diese Schule betreibt seit mehr als 20Jahren Internationale Vorbereitungsklassen. Die Verständigung während der Anmeldung ist durch die Schüler möglich geworden, die vor Jahren schon zur Ludwig-Dürr-Schule kamen und heute als Dolmetscher für die betreuende Lehrerin Irene Mommertz arbeiten. (ras)

    Sigmaringen

    Im Landkreis Sigmaringen besuchen derzeit 183 Flüchtlingskinder die Werkrealschulen und 108 die Grundschulen. In 13 Vorbereitungsklassen lernen sie elementare Sprachkenntnisse. „Aber diese Zahlen ändern sich jeden Tag“, erklärt Gernot Schultheiß, leitender Schulamtsdirektor am Schulamt Albstadt, das auch für den Landkreis Sigmaringen verantwortlich ist. „Die Lehrkräfte sind aufgrund der Schülerstruktur sehr gefordert“, sagt er. In den Klassen säßen auch Kinder, die im Herkunftsland eine Elite-Schule besucht haben. „Einige Schüler wissen aber noch nicht mal, was ein Füller ist.“ (dan)

    Ostalb

    Weil der Ostalbkreis durch die Landeserstaufnahmestelle (LEA) in Ellwangen von der Pflicht befreit ist, Flüchtlinge in seine Städte und Gemeinden zu verteilen, macht sich die hohe Zahl an Flüchtlingen, die ins Land kommen, hier auch nicht akut an den Schulen vor Ort bemerkbar. Gleichwohl existieren im Ostalbkreis für Flüchtlingskinder, die schon vorher gekommen waren, mittlerweile 25 Vorbereitungsklassen im Grundschulbereich und zehn für die Sekundarstufe. Ziel des Besuchs dieser Klassen ist es nach Auskunft des zuständigen Schulamts in Göppingen, im hiesigen Bildungssystem anzukommen und vor allem Deutsch zu lernen. (ard)

    Lindau

    Im Landkreis Lindau legt das Schulamt großen Wert darauf, dass die Kinder so schnell wie möglich Deutsch lernen. Deshalb gibt es keine zentrale Klasse, sondern Flüchtlingskinder werden altersgemäß in die normalen Klassen eingeschult. Damit hat Schulamtsdirektor Thomas Novy gute Erfahrungen gemacht. Noten gibt es für diese Schüler zunächst aber nicht. Stundenweise erhalten die Kinder Sprach-Förderunterricht. Novy freut sich über eine zusätzliche Lehrerstelle für den Landkreis. Dieser Lehrer hat „Deutsch als Fremdsprache“ studiert und wird als Reserve seine Kollegen an allen Schulen fortbilden und mit Unterrichtsmaterial versorgen. (dik)

    Ravensburg

    Für Flüchtlings- und Migrantenkinder bietet die Grundschule in Weißenau im neuen Schuljahr eine internationale Vorbereitungsklasse an. Jahrgangsübergreifend werden die Schüler in der deutschen Sprache unterrichtet. 14 Schüler wird die Klasse in Weißenau haben, vier davon sind syrische Flüchtlingskinder. An der Ravensburger Grundschule Kuppelnau existiert diese Art des Unterrichts schon. Im kommenden Schuljahr gibt es an der Kuppelnau-schule zwei Internationale Vorbereitungsklassen mit insgesamt 30 Schülern. Hier werden drei Flüchtlingskinder aus Syrien am Unterricht teilnehmen. Außerdem hat sich die Realschule Ravensburg bereit erklärt, drei syrische Flüchtlingskinder in ganz normale Regelklassen aufzunehmen. Da laut Amt für Schule, Jugend, Sport vor allem alleinstehende Männer nach Ravensburg kommen, ist die Anzahl an Familien mit schulpflichtigen Kindern hier noch überschaubar. (jab)

    Unterschrift Foto: Im gesamten Verbreitungsgebiet sind Flüchtlinge mit ihren Familien untergebracht. Bild: Kling, ©Schwäbische Zeitung